Haschisch auf dem Küchentisch – Schweigen ist Gold

Die Polizei durchsucht. Sie findet. 5 g, gute Qualität in einer Dose auf dem Tisch in der Küche. Mein Mandant räumt ein, das sei sein „Eigenbedarf“.

Das war strafprozessual ungünstig. Mein Mandant wohnt dort nämlich nicht allein, sondern hat einen Mitbewohner. Die Dose stand in einem gemeinschaftlich genutzten Raum. Es wäre daher – wie fast immer – ratsam gewesen, einfach gar nichts zu sagen. Die Strafverfolgungsbehörden können ja nicht würfeln, wem das Zeug gehört. Sie müssen Beweise oder jedenfalls Indizien haben, um zu einem hinreichenden Tatverdacht zu kommen. Hätte mein Mandant nichts gesagt, so wäre die Frage offen geblieben, wem die Dose samt Inhalt gehört, ihm oder seinem Mitbewohner (ich nenne das die „WG-Verteidigung“). Selbst wenn der Mitbewohner gesagt hätte, meins ist das nicht, wäre das unschädlich. Witzig wäre die Konstellation, dass beide im Brustton der Überzeugung das Haschisch für sich reklamieren und sich vor den Augen der Polizisten darum streiten („Das ist meins!“ – „Nein, das gehört mir!“ – „Du Lügner. Ich hab das gekauft.“ – „Das wüßt ich aber!“ usw.).

Die Polizei weiß natürlich genau, dass eine überfallartige Durchsuchung jeden Betroffenen überfordert. Das schlechte Gewissen ist so ausgeprägt, dass man schuldbewußt Umstände einräumt, ohne dass es dafür einen zwingenden Grund gibt. Darauf spekulieren Polizei und Steuerfahndung, weswegen sie gerne morgens früh kommen, wenn man noch schlaftrunken ist und sich schnell um Kopf und Kragen redet.

Gespannt bin ich, ob die Polizei die nicht erfolgte Belehrung des Mandanten in den Akten dokumentiert hat. Ich verwette mein Honorar, dass im Bericht stehen wird, dass die Beamten selbstverständlich belehrt haben und mein Mandant nach vollständiger Belehrung und wohl überlegt sein Geständnis abgelegt hat.

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